TikTok wird zur weltweit am leichtesten zugänglichen Plattform für Medienpiraterie
Wie TikTok mit urheberrechtsverletzenden Ausschnitten aus Filmen und Serien überschwemmt wird, wie die Piraterie dort wächst und was Marken dagegen tun können.

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TikTok ist ein Gigant: Jeden Monat nutzen weltweit eine Milliarde Menschen die Plattform. Doch zwischen Tanz-Challenges, Nischenhobbys und Comedy-Sketchen breiten sich raubkopierte Inhalte ungehindert aus.
Lange, unbearbeitete Ausschnitte aus Filmen und Serien landen mit erschreckender Regelmäßigkeit auf der Plattform. Von Kultklassikern bis zu den neuesten Blockbustern: Offenbar ist kein Werk davor sicher, auf TikTok geteilt zu werden.
Die Ausbreitung raubkopierter Inhalte auf TikTok
Es ist sehr besorgniserregend, wie leicht Nutzer raubkopierte Inhalte finden und ansehen können. Ihnen werden Szenen ausgespielt, die direkt aus Filmen und Serien kopiert wurden – in den allermeisten Fällen ohne Zustimmung oder Erlaubnis der Rechteinhaber.
Warum also nehmen raubkopierte Inhalte auf TikTok so stark zu? Die naheliegende Antwort: die beispiellose Zugänglichkeit und Reichweite der Plattform.
TikTok kommt auf erstaunliche 1 Milliarde monatlich aktive Nutzer. Das ist ein erheblicher Teil aller Internet- und Social-Media-Nutzer weltweit. Von den 4,8 Milliarden Internetnutzern weltweit nutzen 20,83 % TikTok – damit gehört die App zu den meistgenutzten Plattformen der Welt. Von den 4,48 Milliarden aktiven Social-Media-Nutzern sind 22,32 % regelmäßig auf TikTok.
Eine Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass mehr als ein Drittel der 16- bis 19-Jährigen wissentlich digitale Piraterie betrieben hat. Das beschränkt sich oft nicht auf Filme und Serien, sondern reicht bis zur APK-Piraterie. So festigt sich bei jüngeren Zielgruppen eine Kultur, in der es zunehmend normal ist, kostenpflichtige digitale Inhalte gratis zu nutzen. Dass junge Menschen raubkopierte Medien als normal ansehen, erschwert den Kampf gegen Piraterie auf Plattformen wie TikTok zusätzlich und verfestigt die Vorstellung, Piraterie sei akzeptabel.
TikToks eigener Transparency Report zeigt, wie IP-Verletzungen und die Reaktionen der Unternehmen in den letzten Jahren zugenommen haben.

Wie die Grafik zeigt, haben sich die IP-Durchsetzungsanträge insgesamt von der zweiten Jahreshälfte 2021 bis zur ersten Jahreshälfte 2023 vervierfacht. Den mit Abstand größten Anteil der verletzten IP-Rechte macht dabei das Urheberrecht aus.
TikTok unterstützt Unternehmen zwar bereitwillig beim Markenschutz. Doch weil die Nutzerbasis wächst und sich an der Inhaltsmoderation nichts Wesentliches ändert, müssen Marken weiterhin selbst dafür sorgen, dass ihr geistiges Eigentum zu keinem Zeitpunkt verletzt wird.
Eine Strategie für Markenschutz gegen Deepfakes kann Unternehmen helfen, die unerlaubte Nutzung ihrer Medien zu erkennen und zu verhindern – und so Umsatz und Ruf auf Plattformen wie TikTok zu schützen.
Die Folgen der Medienpiraterie auf TikTok
Die grassierende Piraterie auf TikTok bedroht die IP-Rechte vieler Unternehmen erheblich. Produzenten von Serien, Anime, Filmen und anderen Medien sollten wissen, welchen Schaden gestohlene, urheberrechtlich geschützte Inhalte ihrem Geschäft zufügen können.
Umsatzverluste durch Piraterie auf Social Media
Für Marken ist der größte Schaden der Medienpiraterie natürlich der entgangene Umsatz für die Nutzung ihrer urheberrechtlich geschützten Werke. TikTok ist da keine Ausnahme. Eine Milliarde aktiver Nutzer verbringt dort im Durchschnitt 1,5 Stunden pro Tag – den Unternehmen, denen die Rechte an diesen Medien gehören, entgeht damit enorm viel Medienkonsum.
Noch sind bezahlte Medienabos gefragt: Besonders in den USA geben Verbraucher im Durchschnitt 46 US-Dollar im Monat für Abonnements aus.
Doch diese Zahlungsbereitschaft könnte bröckeln. Laut einem Forbes-Bericht zu Streamingdiensten haben 45 % der Amerikaner im vergangenen Jahr mindestens ein Abo gekündigt, und weitere 90 % könnten noch mehr kündigen, wenn die Preise steigen oder die Regeln gegen das Teilen von Passwörtern strenger werden.
Im Gegensatz dazu sinken die Kinobesuche in den USA. Die Ticketverkäufe erreichten 2002 mit 1,58 Milliarden ihren Höchststand und gingen bis 2019 allmählich auf 1,23 Milliarden zurück. Die Coronapandemie brachte zwangsläufig einen massiven Einbruch, doch 2023 lagen die Verkäufe erst wieder bei 825 Millionen – etwas mehr als die Hälfte des Werts von vor 20 Jahren.
Das wirft die Frage auf: Ersetzt das kostenlose Anschauen auf dem Smartphone zu Hause wirklich das „volle“ Medienerlebnis im Kino oder bei einem Streamingdienst?
TikTok als legitime Plattform nutzen
Manche Marken setzen tatsächlich gezielt auf Social Media als legitime Plattform für ihre Inhalte.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte Paramount Mean Girls kostenlos auf TikTok. Die Komödie von 2004 wurde in 23 Teile zerlegt und auf dem Account von Paramount hochgeladen. Ähnlich ging NBCUniversal vor und veröffentlichte die ersten drei Folgen seiner neuen Serie Killing It auf TikTok und auf YouTube.
Dahinter steht vermutlich die Hoffnung, dass die Ausschnitte Nutzer auf die bezahlte Plattform locken, wo das Seherlebnis besser ist. Noch ist das allerdings ein Experiment, dessen Erfolg nicht belegt ist.
Viele Kommentare unter diesen Videos fragen zwar nach dem Titel des Films oder der Serie, doch nichts deutet darauf hin, dass die Leute ihn dann auf einer bezahlten Plattform suchen. Und auf jede Person, die mehr vom Film sehen will, kommen unzählige andere, die einfach nur das Ende verraten haben wollen.
Auch die Hoffnung, TikTok selbst könne als Drittplattform für Streaming Gewinn bringen, ist unrealistisch. TikTok zahlt für Aufrufe bekanntlich sehr wenig – Medienunternehmen bekommen für ihre Inhalte nur einen winzigen Bruchteil ihres Werts zurück. Wie unzufrieden Rechteinhaber mit der Vergütung durch TikTok sind, zeigt etwa, dass Universal Anfang 2024 seinen Katalog von TikTok abzog.
Schlechteres Medienerlebnis
So bequem es ist, wenn beim Scrollen durch TikTok ein Ausschnitt auf dem Smartphone erscheint: Das eigentliche Medienerlebnis ist eindeutig schlechter.
Anders als im immersiven Kinosaal oder auf einem gestochen scharfen Fernseher wirken Inhalte in der vertikalen Mobiloberfläche von TikTok oft zerstückelt und unbefriedigend.
Bedienelemente, Texteinblendungen und andere Ablenkungen schwächen die beabsichtigte Wirkung des Werks und mindern seinen Wert in den Augen der Verbraucher.
Dadurch wird das geistige Eigentum der Urheberrechtsinhaber entwertet. Das schadet dem eigentlichen Medienerlebnis unmittelbar – Urheberrechtsinhaber wissen, wie wichtig es ist, ihre Werke in der richtigen Form zu zeigen. Geschieht das nicht, besteht ein erhebliches Risiko, dass Zuschauer deutlich seltener Fortsetzungen oder weitere Folgen ansehen und kaum zu langfristigen Fans werden.
Was können Marken gegen Piraterie auf TikTok tun?
Zunächst die gute Nachricht für Marken: TikTok nimmt den Schutz geistigen Eigentums auf der Plattform durchaus ernst. Bereits 2022 blockierte TikTok Z-Library, eines der größten Piraterieportale im Internet. Die Website bot Zugang zu Millionen raubkopierter Bücher und Artikel, und es hieß, sie „töte“ die Möglichkeit von Autoren, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen.
Zudem hat TikTok nachweislich mit Marken kooperiert, wenn diese die Löschung von Inhalten verlangten, die ihr geistiges Eigentum verletzen. Der Transparency Report zeigt, dass TikTok immer mehr IP-Durchsetzungsanträge erhält.
Wie immer liegt die Verantwortung bei den Marken selbst. Um urheberrechtlich geschützte Medien zu schützen, müssen Unternehmen jeden Ort im Netz aufspüren, an dem Piraterie stattfindet, und die Entfernung veranlassen. Lässt sich das Urheberrecht wegen des Ausmaßes der Piraterie nicht mehr manuell schützen, ist es Zeit für eine KI-gestützte Lösung.
