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Desktop-Cloaking: Wie Fälscher sich vor aller Augen verstecken

Wie Fälscher die Seitenansicht manipulieren, um Fälschungen vor Markenschutzteams zu verbergen.

Ryan Williams4 Min. Lesezeit
Auf dieser Seite3
  1. So funktioniert Desktop-Cloaking
  2. Ein Beispiel für Desktop-Cloaking
  3. Wie Marken sich gegen Desktop-Cloaking schützen können

Desktop-Cloaking ist die neueste Taktik von Fälschern. Ihre Kunden sehen eine Website voller gefälschter Artikel, während Marken und andere seriöse Beteiligte eine Seite mit legitimen Produkten oder eine völlig harmlos wirkende Website zu sehen bekommen.

Fälscher haben immer wieder bewiesen, wie wendig und kreativ sie sind. Wenn ihre bisherigen Methoden, Fälschungen zu verkaufen, nicht mehr funktionieren, passen sie sich schnell an und finden neue Wege, im Geschäft zu bleiben.

Ihr Ziel: Kunden sollen die Produkte klar und einfach sehen, während die Marken, deren geistiges Eigentum sie kopieren, nichts davon mitbekommen. Hier kommt das „Desktop-Cloaking“ ins Spiel – eine Fälschermasche, die sich allmählich ausbreitet.

Sehen wir uns an, wie Fälscher das genau anstellen.

So funktioniert Desktop-Cloaking

Wenn Fälscher Websites aufsetzen, die sich als die Marke ausgeben – sogenannte Rogue Sites –, können sie festlegen, welche Version der Website Besucher auf Mobilgeräten und welche sie am normalen Computer sehen.

Beim Website-Bau dient dieser Unterschied meist dazu, die Nutzererfahrung für verschiedene Geräte zu optimieren – vor allem, damit die Inhalte auf unterschiedliche Bildschirmgrößen passen.

Fälscher haben jedoch gelernt, dass sie zwischen den Ansichten weit mehr als das Layout ändern können: Sie zeigen in den beiden Versionen ihrer Website völlig unterschiedliche Produkte zum Verkauf.

Bleibt die Frage, warum dieser einfache Trick so wirksam ist.

Die Antwort: Fälscher haben erkannt, dass sich die Besucher dieser Websites in ihrem Verhalten stark unterscheiden.

Käufer rufen Shopping-Seiten oft auf dem Smartphone auf, häufig über Social-Media-Beiträge. Wer dagegen im Markenschutz arbeitet – für Plattformen oder für Marken selbst –, erledigt seine Arbeit fast immer am Computer.

Das Ergebnis: Käufer finden gefälschte Produkte mühelos – doch sobald Markenschutz-Trends auf der Seite einsetzen, scheinen sie zu verschwinden.

Ein Beispiel für Desktop-Cloaking

Sehen wir uns ein reales Beispiel einer getarnten Website an, die wir bei MarqVision gefunden haben – mit Screenshots beider Versionen der Startseite.

Zuerst die mobile Version, unten zu sehen. Marken, die schon mit gefälschten Websites zu tun hatten, dürfte diese Art von Seite sehr vertraut vorkommen.

Die Seite gibt sich alle Mühe, wie ein legitimer Onlineshop der Marke auszusehen. Sie verwendet zahlreiche Markennamen und Logos von Dior und platziert das DIOR-Logo ganz oben. Sie wirbt mit kostenlosem Versand und lässt Nutzer durch Produktkategorien blättern, die zu den angebotenen Artikeln führen.

Beispiel für Desktop-Cloaking: In der mobilen Ansicht sehen Käufer gefälschte Produkte Unsere Beispiel-Website, die in der mobilen Ansicht gefälschte Artikel zum Verkauf anbietet

Aufmerksamen Käufern liefert die Seite zwar Hinweise darauf, dass sie nicht offiziell ist, etwa eine URL ohne Markenbezug und Formatierungsfehler. Sie ist aber überzeugend genug, um einen Teil der Käufer glauben zu lassen, es handle sich um einen echten Dior-Shop.

Das Bild oben zeigt die mobile Ansicht, die Version für Käufer. Sehen wir uns nun genau dieselbe Seite in der Desktop-Ansicht an.

Beispiel für Desktop-Cloaking: In der Desktop-Ansicht werden gefälschte Produkte vor Markenschutzteams verborgen Dieselbe gefälschte Website wie oben – in der Desktop-Ansicht völlig harmlos

Wie Sie sehen, sieht die Seite völlig anders aus. Logos und Markennamen, die das geistige Eigentum von Dior verletzen, sind verschwunden, ebenso die angebotene Kleidung. Stattdessen verkauft die Seite Zimmerpflanzen aus Kunststoff – nichts, was Alarm auslösen würde.

Wie Marken sich gegen Desktop-Cloaking schützen können

Diese Masche bereitet Marken zunehmend Kopfzerbrechen. Das beginnt bei der Erkennung: Wer nach möglichen gefälschten Websites sucht und sie auf IP-Verletzungen prüft, lässt so getarnte Seiten leicht durchs Raster fallen.

Auch bei der Durchsetzung kann es Probleme geben: Wer eine betrügerische Website meldet, die er auf dem Smartphone gefunden hat, wird womöglich abgewiesen. Denn wenn die Prüfer auf der anderen Seite, etwa beim Content-Management-System, die Seite am Desktop ansehen, erkennen sie kein Problem.

Wie können Marken diese neue Hürde also überwinden?

Gründlichere Prüfungen

Bei der Bewertung verdächtiger Websites ist ein „Prüfverfahren mit doppelter Ansicht“ unverzichtbar geworden. Wenn Markenschutzteams routinemäßig sowohl die Desktop- als auch die mobile Ansicht prüfen, decken sie inhaltliche Unterschiede auf und erkennen Cloaking deutlich effizienter.

Fälscher werden mit Sicherheit weiter nach neuen Wegen suchen, ihr Treiben zu verbergen. Fachleute im Markenschutz müssen nicht nur diese neueste Masche kennen, sondern auch jede weitere, die auftaucht.

Kunden zum Melden ermutigen

Nutzen Sie Ihre Kundschaft im Kampf gegen Desktop-Cloaking und andere Maschen: Ermutigen Sie Kunden, verdächtige Websites an Ihre Marke zu melden.

Wenn Marken Verbraucher über die Risiken gefälschter Produkte aufklären und klar erklären, wie sich mögliches Desktop-Cloaking erkennen lässt, mobilisieren sie ein Netzwerk aufmerksamer Verbraucher – besonders, wenn die Marke treuen Kunden ein kleines Dankeschön anbietet.

Screenshots und Dokumentation

Stoßen Marken auf Desktop-Cloaking, sollten sie für ihre Dokumentation Screenshots beider Ansichten anfertigen, Desktop und mobil. Diese Screenshots sind wertvolle Beweise, wenn rechtsverletzende Websites an Plattformen wie Cloudflare oder andere zuständige Stellen gemeldet werden.

Mit einer visuellen Dokumentation der Unterschiede zwischen beiden Ansichten zeigen Marken anschaulich, wie Fälscher ihre Online-Präsenz manipulieren, um IP-Rechte zu verletzen.

Zudem stärken detaillierte Erläuterungen, wie die Website IP-Rechte verletzt, stets die Position der Marke, wenn sie schnelles Handeln gegen Fälscher fordert – besonders bei Websites mit Desktop-Cloaking.

Geschrieben von

Ryan Williams