RepTok: die TikTok-Community, die Fälschungen und Dupes verkauft
RepTok verändert die Fälschungslandschaft: Auf TikTok werden Fälschungen als Dupes beworben. Was hinter dem Phänomen steckt – Definitionen und Erklärungen.

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Auf TikTok ist eine große Community von Menschen entstanden, die gefälschte Produkte kaufen und verkaufen wollen. Diese Community nennt sich RepTok, und ihre Videos erreichen mehr Menschen als je zuvor.
Verkäufer gefälschter Produkte haben ein raffiniertes System entwickelt, um ihre Ware – sogenannte „Dupes“ oder „Reps“ – systematisch zu bewerben und zu verkaufen: eine Kombination aus TikTok, Zwischenseiten und Online-Verkaufskanälen.
RepTok – die Fälschungs-Subkultur auf TikTok
Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind: TikTok ist eine äußerst einflussreiche Social-Video-Plattform. Sie hat über 1 Milliarde Nutzer, und ihre Inhalte erhalten über 167 Millionen Aufrufe pro Minute. TikTok ist zu einer der großen Social-Media-Plattformen geworden, hat Facebook Messenger bereits überholt und schließt schnell zu WeChat auf.
RepTok ist die riesige Community auf TikTok rund um den Kauf und Verkauf billiger gefälschter Produkte von chinesischen Online-Marktplätzen. Sie ist in den letzten Jahren zu einem großen Trend der Produktpiraterie geworden. TikTok-Nutzer finden relevante RepTok-Inhalte über einige der wichtigsten Hashtags:
- Dupe (4,9 Milliarden Aufrufe)
- Reps (2,3 Milliarden Aufrufe)
- Reptok (195 Millionen Aufrufe)
Allein diese Aufrufzahlen zeigen, wie einflussreich TikTok als Plattform sein kann.
Das gilt besonders für die jüngeren Generationen Gen Z und sogar Gen Alpha, da Letztere nun in ein Alter kommt, in dem sie selbst online einkauft. Diese jüngeren Generationen sind nicht nur die eifrigsten Nutzer von TikTok – Studien zeigen auch, welchen Einfluss TikTok auf ihre Kaufentscheidungen hat und wie sich die Wahrnehmung von Fälschungen in der Gen Z verändert.
Was ist ein „Dupe“ auf TikTok?
Ein „Dupe“, kurz für Duplikat, ist einfach ein anderes Wort für Fälschung. Neben „Rep“ (kurz für Replikat) ist es auf TikTok das am häufigsten verwendete Wort für gefälschte Produkte.
Auch wenn diese Wörter einfach gefälschte Produkte bezeichnen, ist schon ihre Beliebtheit besorgniserregend. Sie zeigt einen grundlegenden Wandel in der Haltung der Verbraucher gegenüber Fälschungen.
In der RepTok-Community werden Nutzer nicht dazu verleitet, gefälschte Produkte zu kaufen, und sie kaufen sie auch nicht heimlich in der Hoffnung, sie als echt ausgeben zu können. Es entsteht eine völlige Akzeptanz von Fälschungen: Respekt vor Marken und Produktechtheit spielt kaum noch eine Rolle, und es kommt nur darauf an, möglichst ähnliche Replikate zu niedrigen Preisen zu finden.
Wie Dupes über TikTok verkauft werden
So funktioniert der Verkauf von Fälschungen über TikTok im Überblick:
- Schritt 1: TikTok-Nutzer erstellen Videos, in denen sie gefälschte Produkte zum Verkauf präsentieren.
- Schritt 2: In den Kommentaren oder in der Bio der Nutzer werden Links zu einer Zwischenseite geteilt.
- Schritt 3: Diese Zwischenseiten leiten Nutzer zu Verkaufsplattformen weiter
Sehen wir uns jeden dieser Schritte genauer an.
Schritt 1: TikTok-Videos bewerben „Dupes“
Im ersten Schritt präsentieren TikToker Dupes in Videos auf ihrem eigenen Profil. Diese Videos bewerben gefälschte Produkte dreister als alles, was man bisher gesehen hat.
Im Markenschutz sieht man meist Werbung für gefälschte Produkte, die in eine von zwei Kategorien fällt:
- Sie täuschen Nutzer vollständig, indem sie sich als eine andere Marke ausgeben oder behaupten, offizieller Händler dieser Marken zu sein. Diese Artikel sollen Kunden glauben lassen, sie seien echt.
- Sie nutzen kryptische Botschaften und subtile Zeichen, um gefälschte Produkte online zu verkaufen, ohne erwischt zu werden. Diese werden meist an Kunden verkauft, die wissen, was sie kaufen.

Diese TikToks sind jedoch die erste Werbung in großem Umfang, die so offen damit umgeht, dass die „Dupes“ Fälschungen sind.
Die Menschen, die diese TikTok-Videos erstellen, erklären fröhlich, dass die Produkte gefälscht sind; viele zeigen sogar Nahaufnahmen der Produkte, vergleichen sie mit dem echten Artikel und prahlen damit, wie ähnlich sie dem Original sind.
Diese Videos erreichen riesige Zuschauerzahlen, und viele Zuschauer gehen zum nächsten Schritt über: dem Besuch eines Zwischenkanals.
Schritt 2: Zuschauer zu Zwischenkanälen leiten
Trotz der lockeren Haltung zu diesem kriminellen Verhalten sind TikToker, die Fälschungen bewerben, nicht dumm. Sie kennen die möglichen Folgen ihres Handelns und unternehmen Schritte, um der IP-Durchsetzung gegen die von ihnen verkauften Produkte zu entgehen.
Die Folge: Es entstehen immer mehr Zwischenkanäle für Links. Im Kern dienen sie als Zielseite für Nutzer, die von den Werbevideos kommen, und leiten sie dann zur Website weiter, auf der sie kaufen können. Am häufigsten sehen wir sie in Form privater Chatgruppen und Tabellen.
Chatgruppen
Online-Chatgruppen sind in den letzten Jahren als Plattform zum Teilen von Links zu gefälschten Produkten immer beliebter geworden. Weit mehr als andere Social-Media-Kanäle bieten sie oft ein hohes Maß an Anonymität, was vor allem Fälscher davor schützt, persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Da TikTok heute eine so bedeutende Werbeplattform ist, sind Messaging-Apps wie Discord, Instagram, WhatsApp und Snapchat ideale Anlaufstellen für TikTok-Nutzer, die gefälschte Produkte kaufen wollen. Mit Gruppenchats kann eine einzige Nachricht mit einer Handvoll Links zu gefälschten Artikeln Hunderte oder sogar Tausende Nutzer direkt erreichen.

Flüchtige Nachrichten wie Stories und Snapchat-Nachrichten sind zudem Beweise, die sich selbst löschen: Meist bleiben sie höchstens einen Tag sichtbar. Fälscher können schnell eine Nachricht mit einem Link veröffentlichen und hinterlassen nach einem Tag keine Spur mehr.
Tabellen
Zwischen den Werbevideos und dem Online-Marktplatz haben Tabellen eine Nische gefunden. Hier können Menschen, die gefälschte Produkte bewerben, schnell eine öffentlich zugängliche Tabelle zusammenstellen, die Besuchern auf einen Blick zeigt, welche Produkte beworben werden – mit:
- dem Produktnamen
- dem Preis
- einem Foto des Artikels
- einem direkten Link zum Angebot auf einem Online-Marktplatz.

Dass Tabellen ein gängiges Werkzeug dieses Trends sind, mag altmodisch wirken. Doch mehr als eine Sammelstelle für Links und Basisinformationen müssen sie gar nicht sein. Zudem können die Betreiber innerhalb von Minuten Änderungen vornehmen, wenn Produkte entfernt wurden (im besten Fall) oder ausverkauft sind (im schlimmsten Fall).
Schritt 3: Verkäufe auf Online-Marktplätzen
Der letzte Schritt führt Nutzer zum Online-Marktplatz, auf dem der Artikel angeboten wird und auf dem Kunden tatsächlich kaufen können. Die Plattformen, über die am häufigsten verkauft wird, sind fast ausschließlich chinesisch, etwa DHgate, PandaBuy, SuperBuy und andere.
Dass Käufer über das TikTok-Werbevideo und den Umweg über Zwischenkanäle auf diese Seite gelangen, hat einen großen Vorteil: Die Angebote können weitgehend verborgen bleiben.
Da ein stetiger Strom von Kunden von TikTok kommt, müssen sie Nutzer nicht auf anderem Weg anlocken. Sie brauchen also weder eindeutige Keywords wie „fake Nike“ noch täuschende Begriffe wie „genuine discount Nikes“ oder verschlüsselte Sprache und Keywords.
Das verschafft ihnen einen großen Vorteil gegenüber Marken, die ihr geistiges Eigentum durchsetzen wollen, denn um diese Fälschungen zu finden, müssen sie meist der Spur von TikTok aus Schritt für Schritt folgen, statt schnell nach bekannten Begriffen und Keywords auf großen Online-Marktplätzen zu suchen.
Wie Marken RepTok ausbremsen können
Das Phänomen RepTok ist eine erhebliche Herausforderung für Marken und IP-Rechte, doch es gibt Maßnahmen, um dieses Fälschungsökosystem aufzubrechen:
Mit KI die Zusammenhänge erkennen
Fortschrittliche Clustering-Technologie kann Beweise über mehrere Plattformen hinweg sammeln und Verbindungen aufdecken, um große Online-Fälschungsnetzwerke abzubilden.
Diese Technologie hilft, das verflochtene Netz aus Nutzern, Kanälen und Verkaufsplattformen aufzudecken, über das gefälschte Produkte auf TikTok und darüber hinaus beworben und verkauft werden.
Diese Datenerhebung ist für eine wirksame Durchsetzung unerlässlich. Die gesamte Verkaufsstrategie von RepTok beruht darauf, Werbung und Verkauf voneinander zu trennen. Die Verbindung zwischen TikTokern und Online-Marktplätzen herzustellen, ist der Schlüssel, um die Dupes wirksam entfernen zu lassen.
Dupes an beiden Enden bekämpfen
Für eine wirksame Durchsetzung von IP-Rechten gegen RepTok sollten Sie das Problem an zwei Fronten angehen. Konzentrieren Sie sich zunächst darauf, die Kanäle von TikTokern löschen zu lassen, die gefälschte Produkte bewerben. Indem Marken ihnen die Werbeplattformen entziehen, verringern sie Reichweite und Einfluss von RepTok.
Gehen Sie gleichzeitig gegen die Verkäufer selbst vor, die überwiegend in China sitzen, um die Lieferkette zu stören. Auch wenn sich allein mit den Angebotsdaten schwer nachweisen lässt, dass diese Artikel Fälschungen sind, liefern die auf TikTok und in den Zwischenkanälen gewonnenen Daten Marken die Beweise, die sie für ihren Fall brauchen.
Dieser Ansatz soll Werbung und Quelle der Fälschungen gleichzeitig kappen, sodass das Fälschungsnetzwerk alles neu aufbauen muss.
Große Hersteller ins Visier nehmen
Um RepTok wirklich zu treffen, lohnt es sich, das Fälschungsnetzwerk selbst zu identifizieren und wirkungsvoller dagegen vorzugehen.
Das geht über das bloße Entfernen von Online-Angeboten hinaus. Marken können rechtliche Schritte einleiten, etwa gegen Bankguthaben vorgehen, strafrechtliche Ermittlungen anstoßen und mit Strafverfolgungsbehörden in China und international zusammenarbeiten.
Wer IP-Schutz auf diese höhere Ebene hebt, sendet eine klare Botschaft: Fälschungen und ihre Bewerbung werden nicht geduldet. Es ist ein vielschichtiger Ansatz, der Technologie, rechtliche Schritte und internationale Zusammenarbeit kombiniert, um das Fälschungsökosystem aufzubrechen und Echtheit und Integrität der Marke in einer sich wandelnden digitalen Landschaft zu bewahren.
